Hellerau und seine Einzigartigkeit

Fußend auf dem Gartenstadtgedanken von Ebenezer Howard, gründete der Unternehmer Karl Schmidt-Hellerau 1909 nördlich des Hellers in der Nähe von Dresden die Gartenstadtsiedlung Hellerau zusammen mit dem Neubau seiner „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst“. Die Einheit von Wohnen und Arbeit, Kultur und Bildung, in einem von der Lebensreform geprägten Organismus, ist der gebaute Anspruch der Gartenstadt Hellerau.

Der von Schmidt beauftragte Architekt Richard Riemerschmid plante den Bau der Werkstätten und dazu eine Wohnsiedlung mit Kleinstwohnhäusern für die Arbeiter, geräumigen Landhäusern, Markt, Geschäften, Wasch- und Badehaus, Praxen, Ledigenwohnheim, Schule und Schülerwohnheim. Neben Riemerschmid gehörten Heinrich Tessenow, Hermann Muthesius und Kurt Frick, aber auch Georg Metzendorf zu den renommierten Architekten, von denen in Hellerau ganze Straßenzüge oder zumindest Häuserreihen realisiert wurden.

Emile Jaques-Dalcroze, ein Komponist und Musikpädagoge aus der Schweiz, der mit Aufführungen seiner selbst entwickelten "Rhythmischen Gymnastik" in Deutschland Menschen zu begeistern suchte, blieb auf Einladung von Schmidt und Wolf Dohrn, "rechte Hand" und Umsetzer von Schmidts Hellerauer Gartenstadtplänen, in Hellerau, wo er zunächst im Schulsaal der Werkstätten unterrichtete.

Der damals junge Architekt Heinrich Tessenow errichtete unterdessen für ihn ein eigenes Gebäude, die "Bildungsanstalt für Rhythmische Gymnastik" ("Hellerauer Festspielhaus"). Mit Gret Palucca und Mary Wigman wurde Hellerau so ein Zentrum für den modernen Ausdruckstanz.

Mit dem Entwurf dieses Ensembles - dem gewaltigen Festspielhaus, dem brunnenbestandenen Vorplatz der die pavillongleichen Pensionshäuser einfasst, der rückwärtigen Freiluftarena und den umlaufenden Licht- und Sonnenhöfen - setzte Tessenow bedingungslos die Vorstellungen von Emile Jaques-Dalcroze und die Bühnenentwürfe seines Bühnenbildners Adolphe Appia um.